
Ems-Chemie-Deponie bedroht Trinkwasser.
Aus der Chemie-Deponie «Rusna da Furns» sickern giftige Schadstoffe ins Grundwasser von Domat/Ems. Die Ems-Chemie AG – mit 466 Millionen Franken Reingewinn im Jahr 2024 – verweigert Transparenz und sieht keinen Handlungsbedarf. Wir dokumentieren, was bekannt ist – und was das Unternehmen verschweigt.
Luftbild Swisstopo von 1956. Im roten Kreis ist die Deponie zu erkennen. Damals ein „grässlicher Tümpel, in den alle flüssigen Abfall-Chemikalien geschüttet wurden“ (laut ehem. Mitarbeiter Ems-Chemie)
Was wir wissen – aus der Deponie sickert Gift ins Grundwasser
- In der Deponie «Rusna da Furns» der Ems-Chemie wurden von 1950 bis Ende der 1990er-Jahre in einer offenen Grube Chemieabfälle deponiert – ungesichert.
- Die Deponie ist etwa so gross wie ein Fussballfeld, bis zu 15 m tief, hat ein Volumen von 250’000 m3 und wurde einfach zugedeckt und teilweise überbaut.
- Für Menschen und Tiere hochgiftige Stoffe – darunter Trichlorethen (TCE), Vinylchlorid und Fluorid – sickern daraus ins Grundwasser.
- Im Trinkwasser-Pumpwerk Bagliel ist TCE, ein krebserregender Stoff, nachweisbar. Die Ems-Chemie erklärte 2020: «Es besteht kein Handlungsbedarf» – und schweigt bis heute.

Das Grundwasser fliesst nach Domat/Ems

Die Grundwasserhöhen zwischen der Ems-Chemie (roter Kreis: Deponie Rusna da Furns) und dem Trinkwasser-Pumpwerk Bagliel in Domat/Ems (roter Pfeil). Das Grundwasser fliesst grundsätzlich nach unten – von der Deponie nach Domat/Ems. Deshalb ist es sehr wahrscheinlich, dass die Giftstoffe im Trinkwasser-Pumpwerk Bagliel in Domat/Ems aus der Ems-Chemie-Deponie stammen. Andere Quellen für den Gift-Eintrag (andere Industrieanlagen oder Gift-Deponien) sind nicht vorhanden.
Und die Giftstoffe fliessen im Grundwasser weiter, gelangen in den Rhein und immer weiter.
Warum ist die Deponie noch nicht saniert?
Die Deponie «Rusna da Furns» auf dem Areal der Ems-Chemie AG in Domat/Ems ist seit 2007 im kantonalen Kataster der belasteten Standorte eingetragen. Zwischen 2005 und 2023 wurden Historische und Technische Untersuchungen durchgeführt – beauftragt und bezahlt von der Ems-Chemie selbst, ausgeführt durch ein Ingenieurbüro.
Die Untersuchungen zeigen: Im Grundwasser-Pumpwerk Bagliel der Gemeinde Domat/Ems ist Trichlorethen (TCE) nachweisbar, ein krebserregender Stoff. Als wahrscheinlichste Quelle gilt die Deponie. Ein eindeutiger Nachweis scheiterte an der Komplexität des Grundwasserfliessregimes – nicht daran, dass keine Belastung vorläge.
Der Kanton Graubünden hat – gestützt auf die Altlastenverordnung des Bundes – eine Überwachung der Deponie angeordnet, nicht aber eine Sanierung. Dagegen haben die Gemeinde Domat/Ems und der WWF Graubünden Beschwerde eingereicht. Das Verfahren ist hängig. Die Ems-Chemie hat sich öffentlich nicht geäussert.
Und warum schweigt die Ems-Chemie?
Die Ems-Chemie droht lieber mit rechtlichen Schritten, als Transparenz herzustellen und Verantwortung zu übernehmen. Wieso bloss?
Die Ems-Chemie verweigert Forschenden und Journalisten den Zugang zu ihrem Firmenarchiv (s. Hintergrund). Untersuchungsberichte werden nicht veröffentlicht. Wer sie lesen will, muss sie über das Öffentlichkeitsprinzip beim Amt für Natur und Umwelt Graubünden einfordern – was erstmals 2020 auf gerichtlichem Weg gelang. Und bis jetzt sind wichtige Stellen geschwärzt.
Wir machen diese Unterlagen nun zugänglich. Damit bleibt aber immer noch vieles im Verborgenen.